Personalportfolio
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Im Personalportfolio werden Mitarbeiter und Führungskräfte eingestuft nach ihrem Entwicklungspotenzial und ihrem derzeitigen Leistungsniveau. Das Portfolio ist im ersten Schritt immer bezogen auf einzelne Funktionen, Funktionsgruppen bzw. Hierarchieebenen.
In einem einfachen Portfolio werden vier Felder definiert:
– Potenzialträger: Personen, die über ein hohes Entwicklungspotenzial verfügen, aber auf Grund der fehlenden Erfahrung, fehlenden Fachwissens oder ähnlichen Gründen derzeit ein niedriges Leistungsniveau haben
– Spitzenkräfte: „Stars“, die über hohe Potenziale verfügen und Spitzenleistungen erbringen
– Leistungsträger: Mitarbeiter und Führungskräfte, die ihre Potenziale ausschöpfen und ein hohes Leistungsniveau im Tagesgeschäft erreichen
– Mitarbeiter und Führungskräfte, die bisher weder hohe Leistung gezeigt noch Entwicklungspotenzial bewiesen haben
Das Portfolio ist aus zweierlei Hinsicht wertvoll für das Personalmanagement. Zum einen können zielgruppenspezifisch Personalentwicklungsmaßnahmen für die Potenzialträger aufgesetzt bzw. für die anderen Zielgruppen reduziert werden. Zum anderen können die einzelnen Portfolios gegeneinander „gefahren“ werden. Dadurch kann z. B. festgestellt werden, ob ein Leistungsträger im Vertrieb nicht auch über die Anforderungen an einen Potenzialträger als Gruppenleiter verfügt.
Das Personalportfolio kann im Controlling verwendet werden, um die Nachhaltigkeit von Personalentwicklungsmaßnahmen abzu-prüfen und die im Unternehmen verfügbaren Potenzialreserven sichtbar zu machen.
Bei Banken wie auch in anderen Branchen, die kaum auf einen Imitationsschutz ihrer Produkte setzen können, sind das Identifizieren künftiger Kernkompetenzen und das Wissen zu Schlüsselqualifikationen geworden. Der entscheidende und beständige Wettbewerbsvorteil liegt nach Heinz Fischer, Personalvorstand der Deutschen Bank AG, in der Fähigkeit, Wissen schnell aufzubauen und multiplikativ im Unternehmen einzusetzen.
Beiträge des Personalbereichs
Dazu leistet der Personalbereich der Deutschen Bank z. B. folgende Beiträge:
b Strategische Personalentwicklung: ressourcenorientierter Planungsprozess, fokussiert auf künftige erfolgskritische Fähigkeiten und Kernkompetenzen
– Ausrichtung der Personal- und Führungsinstrumente auf die Kernkompetenzen
– Globales Personal Informationssystem mit einer umfassenden Skill-Datenbank (im Aufbau)
– Unterstützung des kontinuierlichen Wissenserwerbs aller Mitarbeiter durch eine zentrale Datenbank unter Einbeziehung moderner Medien (wie Teletutoring, Videokonferenzen, Business-TV etc.)
– Aufbau einer (virtuellen) Deutsche Bank Cooperate University
Nach Ansicht der Deutschen Bank AG, ist es unerlässlich, künftig kritische Kompetenzen zu identifizieren. Dies muss in enger Abstimmung mit dem Linienmanagement erfolgen, da dieser weiterhin als Vorgesetzter der primäre Personalentwickler bleibt und damit der Schlüsselfaktor zur Umsetzung der Personal- und Unternehmensstrategie.
Für die Top-Führungskräfte und einen Teil besonders potenzialstarker Nachwuchskräfte (für den oberen Führungskreis) wurde schon 1999 eine Art Personalportfolio erarbeitet:
– Die menschlichen Potenziale im Unternehmen zu erkennen
– Diese an das Unternehmen zu binden
– Sie zu entwickeln
– Die richtigen Personen in die wichtigen Positionen zu bringen
Personen in die wichtigen Positionen zu bringen
Zur Erhebung der individuellen Entwicklungspotenziale und des Leistungsniveaus führte die Deutsche Bank ein Management-Inventory durch. Ziel war es in diesem Prozess, Führungskräftepotenziale frühzeitig zu identifizieren und durch geeignete Maßnahmen in ihrer weiteren Entwicklung zu fördern.
Die in das Verfahren eingebundenen Potenziale rekrutierten sich überwiegend aus Mitarbeitern, die im Rahmen eines allgemeinen Potenzialaufrufs als Potenzialkandidaten gemeldet worden waren. Das Verfahren wurde vorab den betroffenen Führungskräften detailliert erläutert, so dass von Beginn an ein einheitlicher Kenntnisstand gegeben war.
Grundlage des Verfahrens bildete ein Management-Review, in der eine Fremdeinschätzung durch den jeweiligen Vorgesetzten und eine Selbsteinschätzung der teilnehmenden Mitarbeiter auf der Basis ausgewählter Führungs- und Persönlichkeitskompetenzen erfolgte. Hieran schloss sich ein spezifisches Analyse- und Auswahlverfahren an.
Die durch die Beteiligten vorgenommenen Einschätzungen hinsichtlich der einzelnen Kompetenzen wurden auf der Basis unter-nehmensbereichsbezogener und damit praxisnaher Anforderungsprofile ausgewertet. Im Vordergrund der Analyse stand die Gewinnung eines individuellen Profils, das die Stärken und Entwicklungsfelder der einzelnen Potenzialkandidaten im Hinblick auf die als prägnant erkannten Managementkompetenzen aufzeigte.
Die aus dem Prozess gewonnenen Profile wurden anschließend zwischen dem jeweiligen Potenzialkandidaten und dessen Vorgesetztem kommuniziert. Der insgesamt strukturierte Verfahrensablauf führte dazu, dass – insbesondere im Dialog zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter – sehr spezifisch und konsequent auf einzelne Aspekte des Führungsverhaltens eingegangen werden konnte. Hierbei handelte es sich oftmals um Managementkompetenzen, über die in der Vergangenheit noch nicht vertiefend zwischen den Betroffenen gesprochen worden war oder gesprochen werden konnte.
In einem weiteren Verfahrensabschnitt führten Mitarbeiter aus dem Bereich der Personalentwicklung (Zentrale) Interviews mit den betroffenen Vorgesetzten und deren Potenzialkandidaten. Hierdurch wurde das Spektrum nochmals erweitert und zusätzlich -losgelöst von der Mitarbeiter-Vorgesetzten-Situation – ggf. weitere Erkenntnisse gewonnen. Im Rahmen der verschiedenen Gesprächsrunden wurden schließlich individuell erkannte Verände-rungs- und Entwicklungsnotwendigkeiten hinsichtlich der Managementkompetenzen besprochen. Zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern und/oder dem Bereich Personalentwicklung Oberer Führungskreis (Zentrale) wurden dann, sofern erforderlich, Entwicklungsmaßnahmen erarbeitet, abgestimmt und eingeleitet.
Innerhalb eines mehrmonatigen Zeitraumes konnte die Deutsche Bank AG durch diese Vorgehensweise ein umfangreiches – im Vergleich zu anderen Maßnahmen – differenziertes Bild über die vorhandenen Potenzialkandidaten für höchste Führungsaufgaben gewinnen.
Am Ende des Prozesses werden, sofern erforderlich, auch Gesprächsrunden auf Vorstandsebene mit den Potenzialkandidaten initiiert. Dadurch wird das gegenseitige Kennenlernen ermöglicht, etwa bereits bestehende Kontakte gefestigt und ggf. über weitere Entwicklungsmaßnahmen und Entwicklungsschritte gesprochen.
Am Beispiel der Deutschen Bank AG wurde gezeigt, wie ein Personalportfolio für das obere Management in der Praxis entwickelt werden kann. Danach können so genannte Tableau-Runden anschließen, in denen auf Tableaus unterschiedliche Besetzungsszenarien und deren strategische Auswirkungen dargestellt werden. Unternehmensberater setzen dieses Verfahren auch in Reorganisations- und Veränderungsprozessen ein.
Wichtig: Ergeben sich aus dem Personalportfolio Handlungsbedarf, weil Kandidaten mit den erforderlichen Potenzialen fehlen oder zu wenige davon verfügbar sind, wird die Beschaffungsplanung angepasst.
Die überarbeitete Beschaffungsplanung benennt, wieviele Positionen zu welchem Zeitpunkt voraussichtlich neu zu besetzen sind und welches Anforderungsprofil für die Positionen Gültigkeit hat. Zudem gibt die Beschaffungsplanung an, wie viele Nachfolger intern und wie viele am externen Markt zu rekrutieren sind.
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